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Assistenzhund in Medizinischen Notfallsituationen

Aktualisiert: 30. Sept. 2023


Entspannt sein und entspannt arbeiten in Krisen und medizinischen Notfallsituationen

Ein sehr wichtiges Thema, welchem wir uns heute widmen wollen. Wie schaffen wir es, dass unsere Hunde in (psychischen) Krisen und medizinischen Notfallsituationen, in denen wir sie nicht anleiten können, in denen es hektisch wird, möglicherweise fremde Menschen/Rettungskräfte auf einen zukommen entspannt bleibt und entspannt arbeitet?

Da spielen verschiedene Faktoren mit rein - zum einen der Charakter und die Reife des Hundes selbst. Wie alt ist der Hund? Wie gefestigt ist er? Wie resilient ist er?

Wir sehen auf Instagram leider schon sehr viele sehr junge Hunde, die während akuten Symptomen wie Panikattacken, Dissoziationen, (Krampf-)Anfällen und eventuell daraus bedingten RTW-Einsätzen und Krankenhausaufenthalten arbeiten müssen. Wir als Verein empfinden das als viel zu früh einen so jungen Hund damit allein zu lassen.

Es gibt gewisse NoGos, also Dinge, die ein Hund in solchen Situationen nicht machen darf:

- Das aktive Fernhalten von Ersthelfer*innen und Rettungskräften und das Beschützen der Halter*in sei es durch Knurren, Verbellen oder ähnlichem.

Zeigt ein Hund ein solches Verhalten, ist es ein Zeichen von massiver Überforderung und Stress. So ein Verhalten darf auch NIEMALS explizit antrainiert werden! Es wirft nicht nur ein schlechtes Licht auf andere Assistenzhundeteams, sondern gefährdet alle Beteiligten: die Halter*in, Ersthelfer*innen/Rettungskräfte und den Hund selbst.

Ein wesentlicher Punkt, dass der Hund irgendwann entspannt solche Situationen miterleben und währenddessen arbeiten kann, ist dass er in seinem Wesen bereits gefestigt, in vielen Alltagssituationen bereits entspannt ist und lernen konnte, dass akute Symptome für ihn was Tolles sind. Die positive Assoziation erreicht man, in dem andere Personen im Umfeld des Hundes den Hund für ruhiges Verhalten bestätigen, wenn der/die Halter*in gerade akute Symptome wie eine Panikattacke oder einen Anfall hat. Man sollte versuchen von Anfang an diese Situationen positiv zu belegen indem der Hund währenddessen mit tollen Leckerlies belohnt wird, Kausachen oder einen gefüllten Konf bekommt. So lernt er = wenn mein/e Halter*in sich so komisch verhält und anders riecht, dann ist das super, weil dann krieg ich leckeres Futter. Somit wird bereits von Anfang an eine positive Assoziation geschaffen. Der Hund sollte vor seinem 15. Lebensmonat, wenn er auch in Deutschland laut Gesetz offiziell in die Ausbildung starten darf, in solchen Situationen nicht aktiv arbeiten müssen.

Sobald diese positive Assoziation geschaffen ist und der Hund während akuten Symptomen entspannt ist, ist schon mal ein sehr sehr guter Grundstein gelegt worden! Darauf kann man später in der Ausbildung dann aufbauen, was der Hund während solcher Symptome machen soll (z.B. Kontaktliegen, versuchen durch Abschlecken/Kratzen den Anfall zu unterbrechen).

Wenn es bei euch aufgrund starker oder in der Öffentlichkeit auftretender Symptome zu RTW-Einsätzen kommt, dann sollte das in der Ausbildung des Hundes ebenfalls eine große Rolle spielen.

Da kann man Situationen nachstellen, in dem der/die Halter*in am Boden liegt/sitzt, nicht reagiert und Ersthelfer*innen auf die Halter*in und den Hund zukommen, die Halter*in berühren, an der Schulter rütteln etc (sollte man grundsätzlich nicht tun, passiert aber leider trotzdem immer wieder). Auch sollte man üben, dass der Hund während solcher Situationen von seiner/ihrer Halter*in weggeführt wird, damit der Hund damit keinen Stress hat.

Manche Dinge lassen sich allerdings nicht nachstellen - dementsprechend ist es eine große Hilfe, wenn ihr in der Ausbildung sogenanntes "Rettungsdiensttraining" machen könnt. Das heißt, dass ihr die Situationen nachstellt, aber eben gemeinsam mit dem Rettungsdienst, mit Einsatzkleidung, den medizinischen Geräten und dem Rettungswagen. Fragt mal bei der Rettungswache in eurer Nähe an, ob das denn mal möglich wäre - aus eigener Erfahrung wissen wir, dass die Rettungskräfte solchen Trainings oft sehr aufgeschlossen sind (vorallem, wenn sie hinterher noch Hundekuscheln dürfen 😁).

So ein "Rettungsdiensttraining" wird nicht regelmäßig möglich sein, aber bereits 1-2 mal die Situationen nachstellen wie der RTW mit Martinshorn angerast kommt, wie die Rettungskräfte angestürmt kommen und die Taschen hinwerfen, wie die medizinischen Geräte an die Halter*in angeschlossen werden, wie die Halter*in auf die Trage gelegt und in den RTW geschoben wird und die Fahrt im RTW trainieren und den Hund dabei belohnen und für ruhiges und passendes Verhalten bestätigen, kann schon sehr hilfreich sein und für echte RTW-Einsätze gut vorbereiten.

Zusammenfassend kann man folgende Punkte als relevant zählen:

- der Hund sollte charakterlich für den Job geeignet sein und Resilienz mitbringen

- Der Hund sollte gereift und in seinem Chatakter gefestigt sein sowie in verschiedenen Alltagssituationen bereits selbstsicher und ausgeglichen sein

- Es muss eine positive Assoziation zu der Symptomatik der Halter*in aufgebaut worden sein, damit der Hund damit keinen Stress hat

- Viel Training durch Nachstellen von solchen Situationen und schwierigeren Situationen (wie z.B. vom Halter wegführen), die passieren können

- Wenn es bei euch in gewisser Regelmäßigkeit zu RTW-Einsätzen kommt: versuchen reales Rettungsdiensttraining zu ermöglichen um die Situation kontrolliert nachzustellen, den Hund für ruhiges Verhalten belohnen und eine positive Assoziation zu Rettungskräften zu schaffen.

- Absolute NoGos sind das aktive Fernhalten von Ersthelfern und Rettungskräften sowie das Beschützen der Halter*in durch Anknurren, Verbellen o.ä.

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